Zum Schutz der Genossenschaftsmitglieder

Wenn Sie sich an einer Volks- oder Raiffeisenbank als Mitglied beteiligen, dann bestätigen Sie in der Beitrittserklärung, dass Sie einerseits ein Exemplar der Satzung der Genossenschaft erhalten haben und  verpflichten sich ferner ausdrücklich, die nach Gesetz und Satzung geschuldeten Einzahlungen auf den/die Geschäftsanteil(e) und die zur Befriedigung der Gläubiger erforderlichen Nachschüsse bis zu der in der Satzung bestimmten Haftsumme zu bezahlen.

Ab Unterzeichnung der Beitrittserklärung haften Sie für alle, auch für die bereits zurückliegenden, Geschäfte Ihrer Volks- oder Raiffeisenbank nicht nur mit Ihrem gezeichneten Geschäftsanteil von z.B. 100,-- € sondern haben darüber hinaus auch noch eine Nachschusspflicht in Höhe der Haftsumme für jeden einzelnen Geschäftsanteil. Diese Nachschusspflicht kann durchaus bis zum 10-fachen des einzelnen Geschäftsanteils betragen und ist in der Satzung, deren Erhalt Sie ausdrücklich bestätigt haben, exakt geregelt.  Für die Bezahlung der Haftsumme haften Sie mit Ihrem gesamten Vermögen.

Dafür sind Sie nun Miteigentümer, also Teilhaber Ihrer Volks- oder Raiffeisenbank. 

Wie es sich für einen Firmeneigentümer gehört, erhalten Sie und alle weiteren Mitglieder jedes Jahr eine mickrige Gewinnausschüttung in Form einer bescheidenen Dividende von 2% - 4%.  Den Löwenanteil des jährlich verdienten Gewinnes behält Ihre Firma, die Volks- oder Raiffeisenbank für sich und steigert damit ihr eigenes Vermögen jährlich in Millionenhöhe.  Deswegen könnte man annehmen auch Sie, die Mitglieder sind reich, da sie schließlich die Eigentümer des Bankunternehmens sind und deswegen auch am Bankvermögen teilhaben.

Weit gefehlt, denn nun sind Sie wirklich arm dran.

Denn wenn Sie meinen, als Firmeneigentümer oder Teilhaber Ihrer Volks- oder Raiffeisenbank nehmen Sie mit Ihrem Geschäftsanteil auch an der Vermögensentwicklung  der Bank teil, dann liegen Sie falsch. Denn davon erhalten Sie nichts.  Es werden zwar hohe und höchste Gewinne jedes Jahr erzielt aber Sie und alle anderen Mitglieder - obwohl sie Miteigentümer und Teilhaber sind - erhalten davon keinen Cent.

Dieses Problem hat Prof. Hans G. Bartels bereits im Jahr 1994 im Handelsblatt auf den Punkt gebracht:
Problematisch wird die Sache erst, wenn der Genosse aus der Gesellschaft ausscheidet. Man sollte meinen, daß er dann nicht nur seine Einlage zurückbekommt, sondern auch die während seiner Mitgliedschaft thesaurierten Gewinne, soweit sie auf seinen Kapitalanteil entfallen. Wirtschaftlich gesehen wäre das immer noch zu wenig, weil während der Mitgliedschaft in aller Regel auch stille Rücklagen entstehen, ganz zu schweigen von einer Beteiligung am entstandenen Goodwill (=Differenz zwischen Ertrags- und Substanzwert).
Gemäß § 73 Abs.2 GenG hat der ausscheidende Genosse jedoch keinen Anspruch auf die während seiner Mitgliedschaft gebildeten Rücklagen. Der ausscheidende Genosse bekommt ausschließlich seine Einlage erstattet und mehr nicht!
Es stellt sich natürlich die Frage, wenn nicht die ausscheidenden Genossen die auf sie entfallenden Rücklagen bekommen, wer bekommt sie dann?

Finden Sie das richtig?   Geld zur Verfügung zu stellen damit der Vorstand damit Geschäfte machen kann und zusätzlich müssen Sie für diese Geschäfte auch noch die Haftung mit dem Geschäftsanteil und einer zusätzlichen Nachschussverpflichtung übernehmen.  Aber beim Verdienst gehen Sie leer aus während sich das Unternehmen, das schließlich Ihnen und allen anderen Mitgliedern gehört, dumm und dämlich verdient.

Leider ist es in der Rechtsform Genossenschaft wirklich so, aber daran hat nicht die Rechtsform Genossenschaft schuld sondern diejenigen, die diese Rechtsform als Mittel zum Geld verdienen benutzen und die Rechtsform selbst damit vergewaltigen.

Denn die Rechtsform “eingetragene Genossenschaft” hat eine ganz andere Zielsetzung als jene, die heute bei den Volks- und Raiffeisenbanken heutzutage vertreten wird.

In der Rechtsform “eingetragene Genossenschaft (eG)” müssten immer die Mitglieder den größten Nutzen aus allen Geschäften ziehen.