Gelebte Demokratie in Genossenschaften
oder:  Warum die Genossenschaftsorganisation die Vertreterversammlung so sehr liebt
Teil 2

Die Vertreterversammlung ist eine Generalversammlung, an der allerdings nicht mehr die einzelnen Mitglieder teilnehmen dürfen, sondern nur noch die von den Mitgliedern gewählten Vertreter. Dass es sich bei den Vertretern meist um solche Mitglieder handelt, die vom Vorstand vorher auf die richtige Gesinnung (sprich Unwissenheit) abgeklopft wurden oder um solche die von der Bank Kredit erhalten haben und nun brav dem Vorstand folgen müssen damit dieser sich nicht über sie ärgern muss, braucht eigentlich nicht weiter behandelt werden, da für alle gewählten Vertreter die gleichen Pflichten und Rechte herrschen. Jeder Vertreter hat das Recht (besser die Pflicht) an der Vertreterversammlung teilzunehmen. Er hat das Recht, Vorstand und Aufsichtsrat Löcher in den Bauch zu fragen und zwar solange, bis alle Fragen ausführlich beantwortet sind und Klarheit darüber herrscht. Ausflüchte des Vorstands oder des Aufsichtsrates müssen nicht hingenommen werden, ebenso wenig das Vertrösten  auf ein späteres persönliches Gespräch mit dem Vorstand.
Klar sein sollte sich auch jedes Mitglied das sich als Vertreter zur Verfügung stellt, dass es niemals die Interessen des Vorstands verfolgen darf, sondern immer nur die Interessen der Mitglieder.  Von denen wurden sie schließlich gewählt um stellvertretend deren Mitgliederrechte auszuüben. Schließlich ist das Vertreteramt nicht dazu da, zu einem erlesenen Kreis zu gehören, jährlich eingeladen zu werden um, nach einem guten Abendessen und vollem Bauch, müde den Ausführungen des Vorstands und dessen Anträgen zuzustimmen, ohne diese wesentlich zu hinterfragen. 
Jeder gewählte Vertreter sollte deshalb sein Amt ernst nehmen. Zu seinen Pflichten gehört es, an der Vertreterversammlung teilzunehmen, sich umfassend über vom Vorstand zur Tagesordnung eingebrachte Beschlussvorlagen zu informieren, diese zu prüfen und jeder für sich entscheiden, ob der Vorschlag des Vorstands den Interessen der Mitglieder entspricht  oder ob eine Zustimmung die Interessen des Vorstands begünstigt.

In der Praxis der genossenschaftlichen Wirklichkeit sieht es allerdings anders aus. Oft nehmen von den (ausgesuchten) Vertretern nur 50% - 60% ihr Amt wahr, die anderen bleiben zu Hause. Die anwesenden haben z. B. bei Fusionsentscheidung keine Ahnung was überhaupt geschieht, lassen sich vom Vorstand einlullen, dass das Bankgeschäft nur zusammen mit einem weiteren Partner gestemmt werden kann und folgen brav dem Vorschlag des Vorstands, das Vermögen als Ganzes auf die übernehmende Genossenschaftsbank zu übertragen und die eigene Genossenschaft damit aufzulösen.  Ein Beispiel dazu ist in den GenoNachrichten zu lesen: https://www.genonachrichten.de

Aus Sicht der Verantwortlichen ist solches Desinteresse der Vertreter geradezu der Freibrief um alles durchzubringen, was gewünscht wird.  Und natürlich auch ein Freibrief um die letzten Reste eines demokratischen Grundgefüges in Genossenschaftsbanken zu zerstören. Damit Vorstände und Verbände in Gutsherrenmanier schalten und walten können um ihre eigenen Wünsche Vorstellungen und Interessen zu realisieren.  Zum Nachteil von vielen Millionen Genossenschaftsmitgliedern.

Wies dazu kommen konnte,  h i e r  mehr dazu.