Warum eigentlich verschenken ?

Neben der auf den beiden vorherigen Seiten beschriebenen Umwandlung der Rücklagen in Geschäftsguthaben hätte natürlich auch die Möglichkeit bestanden, anstelle einer Fusion mit der Raiffeisenbank H , lediglich ausschließlich das Bankgeschäft (einschließlich des Bankvorstands) an die Raiffeisenbank H  zu verkaufen und die Genossenschaft D bestehen zu lassen.
Schließlich erwirtschaftete die Raiffeisenbank D in den letzten 3 Jahren nach Steuern einen durchschnittlichen tatsächlichen Jahresüberschuss von ca. 600.000 € pro Jahr.

Und diese 600.000 € wurden der Raiffeisenbank H durch die Fusion ohne jegliche Gegenleistung einfach  geschenkt, das heißt, die Raiffeisenbank H macht jetzt, weil es die Raiffeisenbank D nicht mehr gibt  jedes Jahr zusätzliche, bereits versteuerte, 600.000 €  mehr Reingewinn.
(Nur nebenbei angemerkt: Wenn Sie als Kunde jedes Jahr  600.000 € Zinsen erhalten wollen, dann müssen Sie bei einem derzeit bereits großzügigem Zinssatz von 1% pro Jahr  mindestens 60 Millionen Euro anlegen. )

Ich frage mich ja wirklich jedesmal,  ob oder warum niemand, auch nicht der  Steuerberater im Aufsichtsrat , auf die Idee gekommen ist,  den Wert des Bankgeschäfts zu berechnen. Das geht mit dem vereinfachten Ertragswertverfahren eigentlich ganz einfach.

Bei einem durchschnittlichen Ertrag der letzten 3 Jahre von je ca. 600.000.-- € kommt im vereinfachten Ertragswertverfahren derzeit ein Zinssatz
von 5,49% zum Tragen.  Daraus errechnet sich ein Multiplaktor von 18,22 (=100 : 5,49)
Aus diesem lässt sich ein Ertragswert von fast 11 Millionen Euro berechnen.  (600.000 x 18,22)

Selbst wenn noch ein Sicherheitsabschlag von ca. 30% eingerechnet würde und deshalb am Ende nur 8 Mio Euro, bezahlt würden,  wenn den Mitgliedern im Rahmen der Meinungsbildung solche Zahlen vorgetragen worden wären,  würde niemand so blauäugig sein und annehmen, die Mitglieder hätten sich trotzdem dafür entschieden auf diese 8 Millionen € zu verzichten und stattdessen alles ohne jeglichen finanziellen Ausgleich an eine andere, eigentlich fremde Genossenschaftsbank zu verschenken. Ich bin mir zu 99,9999 % sicher, sie hätten sich  für einen Verkauf entschieden.

Nach Abzug der Steuern wären von 8 Millionen Euro ca 5 Millionen € übrig geblieben. Bei Umwandlung dieses Betrages in Geschäftsguthaben hätten die Mitglieder zu jedem Geschäftsanteil von 150 € zusätzlich mehr als 7 weitere Geschäftsanteile zu je 150 € erhalten  Da die eingetragene Genossenschaft “Raiffeisenbank D” dabei nicht aufgelöst worden wäre und auch die Mitglieder noch immer Mitglieder der Raiffeisenbank D gewesen wären, hätte diese 5 Millionen (die ja in der Raiffeisenbank D verblieben wären)  dann dazu verwendet werden können, Geschäftsanteile bei der Raiffeisenbank H zu zeichnen. Mit diesem zusätzlichen Eigenkapital hätte die Raiffeisenbank H erheblich mehr Kredite ausgeben können als sie angekauft hat.

Auch für die Immobilien die nach einem Verkauf des Bankgeschäftes  von der Raiffeisenbank H genutzt werden, hätte eine eine monatliche Miete verlangt werden können, die sich durchaus bei 2.000 bis 3.000 € oder mehr pro Monat bewegen hätte können.

Bei 2.500 € Miete pro Monat wären das dann zusätzlich gute jährliche Einnahmen in Höhe von ca. 30.000 € gewesen. Und zusätzlich hätte die Raiffeisenbank H  auch noch 4% Dividende auf 5 Mio € bezahlt , das wären 200.000,-- € gewesen. Jedes Jahr also 230.000,-- € vor Steuern, bzw. ca. 160.000,-- € nach Steuern.

Und dieser Betrag hätte ausgereicht um die Genossenschaft B mit neuem Geschäftsfeld am Leben zu erhalten, und jedes Jahr auch noch eine Dividende  zu bezahlen.

Und natürlich hätten die Mitglieder  mit einer Forderung nach Verkauf des Bankgeschäftes an die Raiffeisenbank H statt Fusion auch überprüfen können, ob der Vorstand der Raiffeisenbank H überhaupt Interesse am Bankgeschäft der Raiffeisenbank D gehabt hätte. Denn wenn er einen Kauf des Bankgeschäftes, und damit verbunden eine jährliche Steigerung des Reingewinns der Raiffeisenbank H um 600.000 €,  abgelehnt hätte, dann wäre er eigentlich von Anfang an nicht am Bankgeschäft interessiert gewesen sondern nur am Vermögen der Raiffeisenbank D.

Doch ganz egal ob gleich fusioniert wird, ob vor der Fusion mit der Raiffeisenbank H die Rücklagen aufgelöst werden oder ob nur das Bankgeschäft  verkauft wird, es führt immer zum Verlust der eigenen, seit zig Jahren ortsansässigen selbständigen Raiffeisenbank D, was in diesem realen Fall ja auch geschehen ist.  Denn es steht außer Zweifel, dass die ehemalige Raiffeisenbank D heute nur noch eine Zweigstelle der Raiffeisenbank H ist.  Wie lange noch, bleibt abzuwarten.

Die beste Möglichkeit wäre gewesen, die Selbständigkeit der Raiffeisenbank D am Ort zu erhalten. Dazu hätte den Mitgliedern lediglich die auf der nächsten Seite dargestellte Möglichkeit erläutert werden müssen.
 
Denn nur mit dieser Möglichkeit wäre die eigene ortsansässige Raiffeisenbank D auf Dauer am Ort selbst erhalten worden.