Fusion 
Immer so, wie es Vorstand und Genossenschaftsverband am besten passt

Warum die Ausgliederung des Bankgeschäfts - anstelle einer Fusion - dem Genossenschaftsverband und den Vorständen der Volks- oder Raiffeisenbank nicht in den Kram passt, obwohl Ausgliederungen bereits sehr oft durchgeführt wurden.

Die meisten Raiffeisenbanken betrieben bis ca. 1990/2000 zusätzlich das landwirtschaftliche Warengeschäft. Heute sind es nur noch wenige, die noch das dem Bankgeschäfts angegliederte Warengeschäft betreiben. Was war passiert.
Nach Änderung des Genossenschaftsgesetzes im Jahr 1973 mit Zulassung des Nichtmitgliedergeschäftes und der darauf folgenden Umstellung der Genossenschaftsbanken auf elektronische Datenverarbeitung Ende der 70er Jahren des letzten Jahrhunderts änderte sich auch die geschäftspolitische Ausrichtung dieser Bankengruppe. Die Volks-und Raiffeisenbanken verstanden sich als Banken für Jedermann und begannen, meist auf Betreiben der Genossenschaftsverbände, sich zu Universalbanken zu entwickeln. Nach dem Zusammenschluss der Volksbanken- und Raiffeisenverbände verstanden sich die daraus entstandenen kreditgenossenschaftlichen Verbände immer mehr als Bankenverbände. Deshalb musste das Image der „Bauernbank“ abgeschüttelt werden. Dies konnte nur durch die Aufgabe des landwirtschaftlichen Warengeschäftes bestehen.
Und so wurde seitens der Verbände auf die Aufgabe des Warengeschäftes gedrängt. Natürlich durfte das nicht einfach durch Aufgabe geschehen, hatte man doch aus der historischen Betrachtung heraus einen erheblichen Marktanteil unter den landwirtschaftlichen Betrieben. Und die damit verbundenen Erträge und Gewinne wollte man nicht einfach aufgeben. Also wurde seitens der Verbände empfohlen, das betriebene Warengeschäft in eine eigenständige Gesellschaft auszugliedern. Dazu hätte sich durchaus die Rechtsform Genossenschaft angeboten, denn das Warengeschäft wurde stets von den der Genossenschaftsbank als Mitgliedern angeschlossenen Landwirten getragen. Doch die Rechtsform Genossenschaft kam nicht in Frage, hätte man doch dabei keinen Zugriff auf deren Gewinne und Vermögen mehr gehabt und hätte beim Ausscheiden immer nur das selbst eingebrachte Geschäftsguthaben zurückerhalten. Aus diesem Grund wurden sogenannte Waren GmbH’s gegründet und das Warengeschäft in diese GmbH ausgegliedert.
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht war die Ausgliederung des Warengeschäfts durchaus sinnvoll. Die Gesellschafter dieser auf Landkreisebene oder sogar darüber hinaus gegründeten GmbH's waren die jeweiligen Genossenschaftsbanken die dort ihr Warengeschäft einbrachten. Je nach Größe dieses Warengeschäft wurden sie anteilsmäßig Gesellschafter in der GmbH. Und im Verhältnis ihres Gesellschaftsanteils wurden sie dann bei der Verteilung des in der GmbH entstandenen Gewinns und an deren Vermögen und Rücklagen beteiligt.

Ausgliederung statt Verschmelzung
So eine Ausgliederung auf eine andere gemeinsam betriebene GmbH (oder je nach Größe auch AG) ist eigentlich ganz normal. Diese Lösung ist deshalb seit langer Zeit bekannt. Ganz besonders bei den Genossenschaftsverbänden. Seit Jahren wird als Grund für eine Fusion angegeben, wegen der Vorschriften von KWG und Basel III sowie den Regularien der BaFin wäre dringend eine Verschmelzung angesagt. Aus diesen Gründen sank die Zahl der Volks- und Raiffeisenbanken von 7096 Instituten im Jahr 1970 auf heute nur noch 770 Institute (Ende 2021). Fast 6.300 Volks- und Raiffeisenbanken wurden auf diese Weise vernichtet und aufgelöst. Oft auch auf direktes Betreiben des zuständigen Genossenschaftsverbandes.
Bei vielen dieser ehemaligen Banken existiert heute nicht einmal mehr eine Zweigestelle, geschweige denn ein Geldausgabeautomat. Man hatte schließlich bei der Fusion das erhalten worauf die eigentliche Gier gerichtet war: Das Ver-mögen dieser Genossenschaft. Auch heute, im Jahr 2021 ist es noch immer nicht anders. Nur dass es diesmal bei übergebenden Genossenschaftsbanken oft schon um Genossenschaftsvermögen von 100 Millionen Euro und mehr geht. Vermögen, für das deren Mitglieder nach dem Willen von Vorständen und Verband keinerlei Entschädigung bei der Verschmelzung erhalten sollen.

Die Frage lautet deshalb: Warum wurde von den Genossenschaftsverbänden nicht empfohlen, genauso wie beim Warengeschäft das Bankgeschäft in eine gemeinsame GmbH oder AG auszugliedern und die einzelnen vielen heute nicht mehr existierenden Genossenschaften mit deren Vermögen und Mitgliedern zu erhalten. Das Bankgeschäft jeder einzelnen Genossenschaft wäre - wie damals das Warengeschäft - in eine gemeinsame z.B. auf Landkreis- oder Regierungsbezirksebene gegründete gemeinsame Genossenschaftsbank eingebracht worden. Jede einzelne der das Bankgeschäft abgebenden Genossenschaften hätte als Bürgergenossenschaft weiter bestehen können und vor Ort viel gutes im Sinne der Genossenschaftsidee tun können. Denn das von der Genossenschaft erwirtschaftete Millionenvermögen würde immer noch der Genossenschaft gehören und nicht der gemeinsamen Bankgesellschaft. Und mit der Beteiligung am ausgegliederten Bankgeschäft hätte, ebenso wie bei der Waren GmbH der auf die Genossenschaft als Gesellschafter (oder Aktionär) entfallende jährliche Gewinnanteil sowie stets die Beteiligung am Gesellschaftsvermögen erhalten.

Die Antwort darauf ist ganz einfach: Mit der Ausgliederung des Warengeschäftes hatten sich die Genossenschaftsverbände eines Imageproblems entledigt. Sie brauchten das Warengeschäft in der Genossenschaft nicht mehr zu prüfen und konnten sich deshalb als Bankenverband etablieren, dem das Image der "Bauernbank" nicht mehr belastete.
Beim Bankgeschäft hingegen mussten die Verbände diese Lösung - ebenso wie alle anderen Lösungen – unter allen Umständen und mit allen Mitteln verhindern. Es wurde nur die auch heute noch immer übliche "Verschmelzung durch Vermögensübergabe" zugelassen. Vorstände die sich widersetzten wurden mit Hilfe der BaFin eliminiert. Denn mit der Zulassung einer Ausgliederung des gemeinsamen Bankgeschäfts dieser vielen kleinen und mittleren Volks- und Raiffeisenbanken in eine GmbH oder AG hätten die Verbände sich selbst den Ast abgesägt, auf dem sie seit langer Zeit sitzen und sich eines Huhns, das für sie goldene Eier legt, selbst entledigt. Und das durfte und darf auf keinen Fall sein.
Auch die verbandsgehorsamen Vorstände der Volks- und Raiffeisenbanken - vor allem jene die nach der Verschmelzung in den Vorstand der übernehmenden Bank übernommen wurden und werden, sahen und sehen ebenfalls keine Notwendigkeit, statt einer Verschmelzung das Bankgeschäft auf eine gemeinsame Gesellschaft auszugliedern. Auch da liegt der Grund im persönlichen finanziellen Bereich, denn eine gemeinsame Bank die durch Ausgliederung des Bankgeschäfts von z.B. 5 oder 6 oder mehr Volks- oder Raiffeisenbanken entstanden wäre, hätte kaum 12 - 15 bestens bezahlte Vorstände gehabt. Der Vorstand der das Bankgeschäft ausgliedernden Genossenschaft wäre noch immer Vorstand dieser Genossenschaft geblieben. Und nachdem kein lukratives Bankgeschäft mehr betrieben worden wäre, wäre natürlich auch das Vorstandsgehalt massiv nach unten reduziert worden.